Sonnenuntergang am Brandberg


Dämmerung in Namibia


Die Unterkunft


Spitzkoppe in Namibia


Sanddünen in der Namib


Glockenblumen


Hoba-Meteroid


Giraffen im Etosh-Nationalpark


Giraffe im Etosh-Nationalpark



Kreuz des Südens


Totale Sonnenfinsternis 2001

 

Deep-Sky in Namibia und Sofi in Lusaka
Erschienen im Journal für Astronomie VdS Ausgabe 02/2001

von Michael Kunze, Moers

Seit langen war für mich der nächtliche Himmel über Namibia nur ein Traum. Doch zur Sonnenfinsternis am 21. Juni 2001 sollte es ins südliche Afrika gehen. Allerdings standen neben der Astronomie auch das Kennenlernen der Länder auf dem Reiseplan. Geplant hatte ich die Reise mit zwei weiteren Freunden aus unserem Astronomieverein in Moers nach der Sonnenfinsternis 1999 in Saarbrücken, die wir trotz wolkenverhangenem Himmel, südlich von Saarbrücken sehen konnten. 

Erste Angebote wurden von diversen Veranstaltern eingeholt. Es dauerte etwa ein halbes Jahr, bis wir eine Pauschalreise nach Zimbabwe reserviert haben. Zu diesem Zeitpunkt war uns aus astronomischer Sicht nur die Sonnenfinsternis wichtig und das Kennenlernen des Landes. An Deep-Sky haben wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht gedacht. 
Nach einem weiteren halben Jahr, etwa ein Jahr vor der Sonnenfinsternis in Afrika, haben sich unsere Pläne für Zimbabwe zerschlagen. Es kamen Unruhen in Zimbabwe auf, die zu diesem Zeitpunkt keine sichere Reise zuließen. Durch Zufall kam mir eine andere Reiseplanung durch den Kopf. Warum nicht die Finsternis von Zambia beobachten und vorher Sternenhimmelbeobachtung in Namibia machen? Zambia hat sich sehr gut angeboten, da die Hauptstadt Lusaka in der Finsterniszone lag und gut erreichbar ist.
Nun ging es wieder von vorne los, einen passenden Reiseveranstalter zu finden. Da wir diesmal Wert auf einen Urlaub auf eigene Faust legten, wollten wir uns alles selber zusammenstellen. Im Juli 2000 konnten wir 3 der letzten 8 Sitzplätze bei der South African Airline ergattern. Gut, wir dachten das die Flüge erst mal das Wichtigste sind und die hatten wir ja schon gebucht. Doch dann kam die Ernüchterung. Fast alle Unterkünfte in Zambia waren über den Zeitraum der Finsternis ausgebucht. Ein süddeutscher Reiseveranstalter konnte uns dennoch unterbringen. So haben wir einen zweiwöchigen Aufenthalt in Namibia und einen einwöchigen Aufenthalt in Zambia gebucht.

In Namibia wollten wir nach Ankunft am 03. Juni 2001 wegen des störenden Mondes Richtung Norden, um dann in der zweiten Woche, wo der Stand des Mondes immer günstiger wurde, am Gamsberg zu sein. So haben wir nördlich von Windhoek den Hoba-Meteoriten, den Etosha-National-Park, den versteinerten Wald, die Felszeichnungen bei Twyfelfontein, den Brandberg und die Spitzkoppe besucht. In dieser Zeit hatten wir die Möglichkeit uns am Südhimmel zurechtzufinden. Anhand unserer Sternkarten haben wir schnell die Sternbilder wie Kreuz des Südens oder den Centaurus ausfindig gemacht. Allerdings hat es lange gedauert, bis wir uns an den "falschherum" stehenden Löwen gewöhnt haben. Der Rest der Sternbilder war leicht einprägsam.
Zum Ende der ersten Woche hatten wir schon etwa 3 Stunden lang dunklen Himmel ohne Mond. Die Milchstrasse hat uns von unseren Camping Hockern gerissen. Im Süden fanden wir das Kreuz des Südens, nebenan den bestechenden Nebel Eta Carinae. Im Westen ging gerade der Skorpion auf und im Osten sank der große Hund Richtung Horizont. Nach und nach schob sich die Milchstrasse immer höher, bis sie gegen Mitternacht über unseren Köpfen von Norden bis Süden zog. Der Kohlensack stand als Dunkelnebel neben dem Kreuz des Südens.
Bemerkenswert war eine Nacht in der Nähe der Spitzkoppe, welche man auch wegen Ihrer Form als Matterhorn Namibias nennt. In Sichtweite der Spitzkoppe, etwa 80 km entfernt, trafen wir auf die klarste und vom Seeing her ruhigste Nacht. Weit und breit war kein hauch von fremdem Licht zu sehen. Nirgends eine störende Lichterglocke. Außer dem Zodiakallicht war der Himmel finster. 
In der zweiten Woche haben wir den Kuiseb-Canyon und den Sossusvlei in der Namibwüste erreicht. Nach sandigen Tagen in der Wüste Namibias haben wir für 3 Nächte die Astrofarm Hakos angesteuert. Hier in Gesellschaft des Gamsberges haben wir weitere Astronächte verbracht. Nun konnte ich meinen Traum vom Namibischen Himmel erfüllen, doch in der Nacht zuvor versagte mein ansonsten zuverlässiger Akku für die GP-Montierung. So stand ich unter dunkelstem Himmel und hatte keinen Strom für meine Montierung, die mit Kameras bis 135mm ausgestattet war. Allerdings habe ich aus meinen Kabeln und der Batterie unseres Kühlschrankes Ersatz zusammengebaut, wofür wir auf gekühlte Getränke verzichten mussten.
Mir ist hier erstmals aufgefallen, dass die Sterne tatsächlich am Horizont verschwinden, als wenn man sie ausknipst. Ähnlich wie bei einer Sternbedeckung durch den Mond. Die Magellanischen Wolken standen bedauernswerter Weise nur tief am Horizont. Die kleine Magellanische Wolke stand maximal 5° hoch über dem Horizont. Die große hingegen stand etwa 10 -12° hoch am Himmel. Doch trotz diesem tiefen Stand sind die Fotos recht gut geworden. Man muss ja mindestens einmal die beiden Wolken fotografieren. Egal wie hoch diese am Himmel stehen.
Nach den zwei Wochen sind wir über Johannesburg nach Lusaka geflogen. Hier, im "richtigen" Afrika wollten wir die Sonnenfinsternis beobachten. Lusaka war für uns ein kleiner Kulturschock. War Namibia noch relativ europäisch, so war Zambia das Afrika, wie zumindest ich es mir vorgestellt habe. Dieses Afrika zeichnete sich besonders durch die enorme Freundlichkeit der Menschen aus. Unsere Unterkunft war alles andere als europäischer Standart. Es war einzigartig vom Service und wie schon gesagt von der Freundlichkeit. 
3 Tage vor dem Big Event war der Himmel schon wolkenlos. An unserem Ankunftstag in Lusaka war allerdings der gesamte Himmel weiß von Zirren. Am Tag der Finsternis strahlte der Himmel tiefblau. Alle Menschen haben das große Ereignis unter Spannung erwartet. Versicherungsbüros und Banken in Lusaka haben an diesem Tag nur bis 11 Uhr Ortszeit geöffnet, damit die Mitarbeiter das Ereignis miterleben können. 
Pünktlich um 13:41 Uhr fand der erste Kontakt statt. Der Mond schob sich allmählich vor die Sonne und pünktlich um 15:09 Uhr sahen wir den Diamantring. Kurz darauf die Korona in voller Pracht.
Kaum wurde es finster, jubelten die Menschen ringsherum. Autofahrer benutzten Ihre Hupen und die Leute ihre Hände zum klatschen. Keiner konnte seine Emotionen zusammenhalten.
Während der Totalität konnte Jupiter und Merkur eindeutig identifiziert werden. Wir konnten auch einige Sterne am Himmel sehen, die wir allerdings nicht identifizieren konnten. Dafür waren wir von dem Ganzen zu mitgenommen. Und die Verfinsterung dauerte ja nur 3 Minuten und 28 Sekunden.
Auch nach der Finsternis waren alle Menschen außer Häuschen. Erstaunlicherweise haben noch viele Leute die partielle Phase beobachtet. Beobachtet man doch oft Langeweile, beim Austritt des Mondes.
Rundum war es eine gelungene Reise. Neben der Sonnenfinsternis konnten wir einiges vom Land sehen, und in Namibia den Südhimmel beobachten.

Weitere Informationen sind auf meiner Webseite – www.michaelkunze.de - zu finden. 


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