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Hawaii,
ein Paradies unter Sternen
von Michael Kunze, Moers
Jeder Beobachter hier in Deutschland wird es sicherlich schon festgestellt haben. Der Himmel ist in weiten Bereichen des Landes schlecht und für die Astrofotografie eher enttäuschend.
In Europa gibt es viele Standorte die leicht zu erreichen sind und sehr gute Beobachtungsbedingungen bieten. Ich denke an Standorte in den Alpen, in den Pyrenäen oder in der spanischen Sierra Nevada. Auf den Kanarischen, die nur per Flugzeug erreichbar sind, findet man auch sehr gute Bedingungen.
Mich reizte allerdings letzten Sommer die pazifische Inselgruppe Hawaii. Über 3500 Kilometer vom nächsten Land entfernt, mitten im Pazifik, auf der anderen Seite der Erde, erstreckt sich die Inselgruppe über rund 2600 Kilometer von Nordwesten nach Südosten. Doch nur 8 Inseln sind bewohnt und zählen zu den Hauptinseln. Insgesamt zählt man bis zu 130 Inseln zum gesamten Archipel, die allerdings durch Erosion dermaßen abgeflacht sind, dass außer den 8 Hauptinseln nur noch kleine, flache Korallenriffe übrig sind, die im äußersten Nordwesten kaum über den Meeresspiegel hinausragen. Die flachen Atolle im Nordwesten hatten wahrscheinlich vor etwa 70 Millionen Jahren ein ähnliches Aussehen, wie die Hauptinseln heute.
Entstanden sind die Hawaiianischen Inseln durch die „Hot Spot“ Theorie. Demnach bildete sich in der pazifischen Platte eine ortsfeste Magmakammer aus der immer wieder Magma unterseeisch nach oben gelangt. Aufgrund der Verschiebung der Platte wandern die Inseln jährlich um 8 Zentimeter nach Nordwesten und so konnten immer wieder neue Inseln durch den „Hot Spot“ entstehen. Daher sind die 8 Hauptinseln im Südosten der Inselgruppe die jüngsten und höchsten. Die jungen Midway-Inseln im Nordwesten sind durch die lange Erosion bereits stark abgeflacht.
Die Inselgruppe Hawaii ist innerhalb von 24 Stunden erreichbar. Allerdings schlägt der Jetlag voll zu. Immerhin sind es –12 Stunden im Sommer und –11 Stunden im Winter, die man von der Mitteleuropäischen Zeit abziehen muss. Aufgrund dieser Problematik ist ein Zwischenstop an der US Ostküste empfehlenswert.
Meine Ziele waren Maui und Hawaii-Big Island. Maui, die bekannte Surferinsel, ist ein Paradies für Erholungsuchende. Wunderbare Strände und eine fantastische Landschaft schaffen eine Insel, die ihres Gleichen sucht. Tauchen mit Meeresschildkröten oder wunderbaren Fischen in allen Farben machen den Urlaub zum Erlebnis. Ein besonderes Ziel ist auf Maui der Haleakala Vulkankrater, mit einer Ausdehnung von 12 x 4 Kilometern und einer Tiefe von 915 Metern. Am Südwestlichen Kraterrand sieht man einige Kuppeln die sog. „Science City“. Es werden jedoch nicht alle Kuppeln astronomisch genutzt. Die meisten sind Einrichtungen der NASA, sowie der U.S. Army, die dort Satelliten tracken. Eine Kuppel beherbergt ein Sonnenrefraktor, der jedoch unter Geheimhaltung liegt. Das Wieso und Warum kann wohl keiner erklären. Dann fallen zwei baugleiche Kuppeln auf, die direkt nebeneinander auf einem Gebäude stehen. Von der Einen wird ein Laser auf Satteliten oder den Mond gerichtet. So kann eine exakte Position bestimmt werden und die Entfernung zentimetergenau gemessen werden. Nachts ist der grüne Laserblitz gut zu sehen.
Hawaii-Big Island ist die größte aller Inseln. Zudem wächst sie immer noch durch die vulkanische Aktivität des Kileaua Vulkans im Süden, einer der aktivsten Vulkane auf der Erde. Die höchste Erhebung Big Islands ist der 4205 Meter hohe Schildvulkan Mauna Kea, übersetzt: „Der weiße Berg.“ Auf seinem Gipfel sind schon vom weiten die weißen Kuppeln der Teleskope erkennbar.
Nach einer anstrengenden Fahrt mit einem vierradangetriebenen Wagen erreicht man die Sternwarten, die von der University of Hawaii verwaltet werden. Aufgrund der großen Distanz zum amerikanischen und japanischen Festland und der sehr hohen Berge, ist Big Island einer der besten Plätze für astronomische Observatorien. Daher tummeln sich auf dem 4205m hohen Mauna Kea, die zur Zeit größten Teleskope der Welt.
Allein die Anfahrt zum Mauna Kea ist schon ein Erlebnis. Beginnend auf Null Meter über dem Meeresspiegel fährt man zwischen den beiden Vulkanriesen hinauf zum Besucherzentrum. Dort, auf immerhin 2400m, sollte man sich an die Höhe gewöhnen. Dies wird einem durch das Besucherzentrum sehr leicht gemacht. In einer schönen Ausstellung wird über die Observatorien und über so manches astronomische Thema geschrieben. Ab dem Besucherzentrum kommt man nur noch mit 4 Radantrieb hinauf zum Gipfel. Da die Straße nicht geteert ist, wird die Fahrt zu einem sehr holprigen Erlebnis.
Nach etwa 40 Minuten sieht man die ersten Kuppeln. Zuerst bietet sich ein Blick auf das neue Subaru-Teleskop der Japaner. Danach kommen die mächtigen Kuppeln der beiden Keck-Teleskope ins Blickfeld, welche mit einem Spiegeldurchmesser von je 10 Metern zu den größten Teleskopen der Welt zählen. Wenn die letzte Bauphase im Jahr 2000 abgeschlossen ist, können beide Spiegel zusammengeschaltet werden und ergeben so einen Spiegeldurchmesser von 84 Metern. Nach und nach erscheinen die weißen Kuppelriesen des Canada-France-Hawaii Telescope, dem Gemini Northern 8-m Telescope, dem NASA Infrared Telescope Facility, dem 2,2-m Telescope der University of Hawaii, dem United Kingdom Infrared Telescope und dem 0,6-m Telescope der University of Hawaii. Außerdem erkennt man in einer Talsenke verschiedene Radioteleskope wie dem 10,4-m Submillimeter Telescope des California Institute of Technology, dem James Clark Maxwell Telescope und der Submillimeter Array.
Zu bestimmten Zeiten ist es durch das Besucherzentrum möglich, sich einer Tour anzuschließen. Doch auch auf eigener Faust kommt man fast problemlos in einige Kuppeln hinein.
Amateurastronomen sind auf dem Mauna Kea bestens bedient. Man hat dort an vielen Stellen die Chance, sein Teleskop aufzustellen und eigene Himmelsbeobachtungen durchzuführen. Neben der Kuppel des United Kingdom Telescope steht eine Hütte mit einer „Betonterrasse“, die im Winter als Skihütte dient. Dort kann das eigene Teleskop wunderbar aufgestellt werden.
Ich habe meine Ausrüstung auf ein 4 Zoll Schmidt-Cassegrain Teleskop mit einer GP-Montierung beschränkt. Mein Ziel war es, hauptsächlich den Himmel zu fotografieren.
Allerdings sollte man beachten, dass die Fahrt auf den Mauna Kea viel Kraft beansprucht. Durch die extreme Höhe ist die Luft sehr dünn und man kommt sehr leicht außer Atem. Nach und nach kommen Kopfschmerzen hinzu und eine große Müdigkeit, die bei der Abfahrt nicht unterschätzt werden sollte.
Die Transparenz war unglaublich. Der Vergleich zu den kanarischen Inseln ist zwar kein riesiger Sprung, dennoch deutlich erkennbar. Morgens und Abends war prächtig das Zodiakallicht sichtbar. Abends stand Venus und Merkur wunderschön am Westhimmel und strahlten im vollem Glanz. Auch tagsüber, gegen 15 Uhr, als die Sonne noch voll am Himmel stand, war die Venus mit bloßem Auge als kleines etwas unscheinbares Pünktchen sichtbar.
Da ich schnell einen gut Erreichbaren Platz gefunden hatte, beobachtete ich in 6 Nächten auf dieser „Terrasse“. In diesen 6 Nächten kam kein Wind auf. So waren die Temperaturen bei 0 Grad erträglich.
Ebenfalls hatte man dort einen wunderbaren Rundumblick. Der Norden war verdeckt, dafür der Süden bis zum Horizont sichtbar. In der ersten Nacht beobachtete ich erst mal einige Objekte visuell. Omega Centauri zeigte sich in seiner vollen Pracht. Schon im 4 Zoll zeigte sich der König unter den Kugelsternhaufen bis ins Zentrum aufgelöst. Der Cirrus-Nebel im Schwan war andeutungsweise zu sehen. Die beiden hellen „Bögen konnte man erkennen, der mittlere Teil war hoffnungslos. Als Leckerbissen habe ich mir die Objekte im Schützen aufgehoben. Als diese kulimierten, richtete ich mein Fernrohr Richtung Süden. Der Trifid-Nebel begeisterte mich dabei am meisten. Es waren beide Teile zu sehen. Wobei man einen sehr schwachen Farbunterschied erkennen konnte.
Die weiteren Nächte nutzte ich Teils zum Beobachten und hauptsächlich für die Fotografie. Ich verwandte den Scotch Chorme 400 und den Kodak Pro Gold 400. Mit beiden Filmen hatte ich beste Erfahrungen, wobei der Pro Gold 400 nicht mehr hergestellt wird. |